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  • Artikel: Psychische Störungen am Arbeitsplatz verursachen Kosten in Milliardenhöhe

    Le lundi 23 janvier 2012 Afficher le message »

    Psychische Probleme sind eine wesentliche Ursache für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung.

    Arbeitsbedingte psychische Erkrankungen verursachen in Deutschland jährlich Folgekosten von gut sieben bis knapp 30 Milliarden Euro. Die Höhe dieser Kosten variiert je nach Lesart: Nämlich ob man sich nur auf arbeitsbedingte psychische Störungen im engeren Sinne konzentriert oder ob man körperliche Erkrankungen hinzurechnet, die auf psychiche Belastungsfaktoren im Berufsleben zurückzuführen sind.

    Psychische Probleme sind eine wesentliche Ursache für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung.

    Arbeitsbedingte psychische Erkrankungen verursachen in Deutschland jährlich Folgekosten von gut sieben bis knapp 30 Milliarden Euro. Die Höhe dieser Kosten variiert je nach Lesart: Nämlich ob man sich nur auf arbeitsbedingte psychische Störungen im engeren Sinne konzentriert oder ob man körperliche Erkrankungen hinzurechnet, die auf psychiche Belastungsfaktoren im Berufsleben zurückzuführen sind.

    Der Gesundheitsökonom Wolfgang Bödeker hat mit dem Mathematiker Michael Friedrichs ermittelt: Psychische Störungen verursachten im Jahr 2008 insgesamt Behandlungs-kosten von knapp 29 Milliarden Euro. Die indirekten Kosten betrugen sogar 45 Milliarden Euro. Dieser Wert ergibt sich aus der Zahl der ausgefallenen Arbeitstage multipliziert mit dem Betrag, den ein durchschnittlicher Arbeitnehmer pro Tag erwirtschaftet. In diesen Gesamtzahlen sind die Kosten sämtlicher psychischer Störungen enthalten - unabhängig davon, welchen Grund sie hatten. Die genauen Daten dazu haben die beiden Autoren in einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie aufgeführt. Die Ergebnisse sind in einer Broschüre der Hans-Böckler-Stiftungiind der IG Metall nachzulesen.

    Psychische Probleme seien eine wesentliche Ursache für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung, schreiben die Wissenschaftler vom Bundesverband der Betriebskrankenkassen beziehungsweise vom Institut für Prävention und Gesundheitsförderung an der Uniklinik Essen. Dies bestätigte die Rentenversicherung Bund aktuell für das Frühberentungsgeschehen im letzten Jahr: Fast 40% der neu bewilligten Erwerbsminderungsrenten gingen 2010 auf eine psychische Erkrankung zurück, 2008 waren es 35,6% (1993 15,4%, 1983 8,5%).

    Erkrankungsrisiko und Arbeitsbedingungen
    Unter psychische Störungen fällt eine ganze Reihe von Krankheitsbildern. Mit Abstand am häufigsten sind Arbeitsausfälle durch gesundheitliche Einschränkungen der Kategorie "neurotische, belastungs- und somatoforme Störungen", dazu gehören etwa Angstzustände. Auf Rang zwei folgen die "affektiven Störungen", beispielsweise Depressionen. Wiederum mit großem Abstand folgen Suchtprobleme. Bödeker und Friedrichs verwenden für ihre Berechnungen Daten des Statistischen Bundesamtes sowie Krankenkassenstatistiken. Aus den unterschiedlichen Erkrankungsrisiken verschiedener Berufsgruppen und weiteren statistischen Informationen Iässt sich den Wissenschaftlern zufolge auch ermitteln, welche Kosten auf Gesundheitsstörungen entfallen, die unmittelbar aus dem Berufsleben resultieren, die also "durch Arbeitsbedingungen ganz oder teilweise verursacht sind beziehungsweise in ihrem Verlauf ungünstig beeinflusst werden".

    Die Kosten arbeitsbedingter psychischer Störungen veranschlagen die Forscher auf 7,1 Milliarden Euro jährlich. Neben den direkten Behandlungskosten beinha|tet die Zahl Kosten des Arbeitsausfalls, Krankengeldzahlungen der Krankenkassen, Kosten krankheits bedingter Frühverrentungen und Einnahmeverluste sowie Zusatzausgaben der Rentenversicherung.
    Psychische Belastungen am Arbeitsplatz - etwa hoher Leistungsdruck oder geringe Entscheidungsspielräume - können sich aber nicht nur direkt in psychischen Erkrankungen äußern. Auch Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems, Kreislauf sowie Magen- und Darmerkrankungen können die Folge psychisch belastender Arbeitsbedingungen sein. Bezieht man dies in die Schätzung der gesamtwirtschaftlichen Kosten ein, so ist der volkswirtschaftliche Schaden noch erheblich größer als die reinen Kosten psychischer Störungen: Zusammengenommen kommen die Forscher auf rund 10 Milliarden direkte und gut 19 Milliarden Euro indirekte Kosten.

    Bödeker und Friedrichs weisen darauf hin, dass betriebliche Gesundheitspolitik einen Beitrag Ieisten kann, den wirtschaftlichen Schaden von psychischen Erkrankungen und Belastungen zu reduzieren. Zahlreiche Studien aus den USA belegten, dass sich Präventionsmaßnahmen in aller Regel auszahlen - nicht nur gesamtwirtschaftlich, sondern auch für das einzelne Unternehmen.
    Nach unterschiedlichen Untersuchungen erzielt ein in Gesundheitsprävention investierter Dollar Erträge zwischen zwei und zehn Dollar.

    Weitere Informationen
    Das Gutachten von Wolfgang Bödeker und Michael Friedrichs "Kosten der psychischen Erkrankungen und Belastungen in Deutschland" ist abgedruckt in: Lothar Kamp, Klaus Pickshaus (Hrsg.): "Regelungslücke psychische Belastungen schließen". Die Broschüre wurde im August 2011 von der Hans-Böckler-Stiftung und der IG Metall veröffentlicht, sie enthält ein weiteres Gutachten von Prof. Dr. Wolfhard Kohte: "Psychische Belastungen und arbeitsbedingter Stress Mögliche rechtliche und sonstige Regulierungen". Download unter www.boeckler.de/pdf/p_mbf regelungsluecke.pdf.

    Quelle: "gute ARBEIT. - Gesundheitsschutz und Arbeitsgestaltung" von Dezember 2011

     
 
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